Unbegrenztes Wachstum
Bei 2% Wachstum im Jahr wäre ich heute 4 Meter groß

Wachstum sei für das Überleben der Wirtschaft und damit für unser Überleben notwendig. Ohne Wachstum würde das System nicht funktionieren, ein System ohne Wachstum sei undenkbar. Unbegrenztes Wachstum auf einer begrenzten Erde. Dass dies nicht funktionieren kann, bedarf keiner wissenschaftlichen Analyse, es ist evident. Trotzdem werden Vorstellungen einer Wirtschaft ohne Wachstum von vielen in den Bereich der Utopie oder der Spinner verbannt, die Notwendigkeit des Wachstums fast als Naturgesetz betrachtet.

Wirtschaftliches Wachstum bedeutet Wachstum des Stoffwechsels zwischen Mensch und Erde, Natur, Böden, Rohstoffe, CO2 Ausstoß, Müllproduktion, etc. Unbegrenztes Wachstum des Stoffwechsels mit einer begrenzten Erde.

Gedankenexperiment
Was unbegrenztes Stoffwechsel-Wachstum für einen menschlichen Organismus bedeuten würde:

Wenn ich mit 20 einen Kalorienverbrauch von durschnittlich 2500 kcal annehme und diesen jährlich um 2% steigere, hätte ich mit 60 einen Verbrauch von über 5000. Übergewicht vorprogrammiert. Mit 80 müsste ich bei gleichbleibendem Wachstum täglich schon über 8000 kcal verputzen, wobei der reale Bedarf mit steigendem Alter deutlich sinkt. Es wäre eine zum Alter hin irrwitzige Steigerung, die nur mit Nahrungsergänzungsmitteln zu erreichen wäre.

Den Sauerstoffwechsel um jährlich 2% erhöhen, möchte nicht wissen, wie lang ich überleben würde.

Und dann gibt’s noch den Feinstoffwechsel.Äußeres verstoffwechselt sich über die Sinneswahrnehmungen in Inneres. Nehmen wir ein jährliches Wachstum von 2% an, kämen wir vermutlich nach einigen Jahren nicht mehr aus der Psychose raus.

Auch hier gilt: Ein begrenzter Organismus könnte unbegrenztes Wachstum des Stoffwechsels nicht aushalten. Mit einer jährlichen Steigerung von 2% bei Nahrung, Sauerstoff und Sinnesreizen würde er, lange bevor er 80 wird, elend zu Grunde gegangen sein.

Utopie aber wie
So wird es auch unserer Erde ergehen, wenn wir nicht grundlegende Änderungen vornehmen. Es kann nur einen Schluss geben: Wir brauchen eine Wirtschaft ohne Maxime des Stoffwechsel-Wachstums bzw. nur in dem Maß wie es unserer begrenzten Erde verträglich ist. Wachstum in der Entwicklung naturverträglicher Energieformen z.B. ja, Wachstum in der Ausbeutung und Verbrennung fossiler Stoffe, nein. Der ungebremste Steigerungskreislauf von Produktion und Konsumption muss unterbrochen und durch neue Modelle ersetzt werden.

Ein erhellender Beitrag dazu findet sich auf der Website der Gemeinwohl Ökonomie. Olaf Kintzel zum Thema: „Ist eine Postwachstumsökonomie möglich?“. Er bezieht sich darin u.a. auf Tim Jackson, der eine Lösung vorschlägt, „mit der es gelänge sinkenden Materialverbrauch und steigenden Wohlstand auch ohne normatives Wachstum der Wirtschaft zu ermöglichen. […] Um der Sucht nach Neuem oder dem ständigen Statuswettbewerb bei gleichzeitig gefühlter Sinnleere zu begegnen, ist es wichtig, mehr Gleichheit in unserer Gesellschaft zu erreichen, die Verwirklichkeitschancen für alle zu erhöhen und Arbeit als soziales Gut anzusehen.

Zu den Seiten:
Beitrag von Olaf Kintzel
Gemeinwohl Ökonomie
Tim Jackson
Interview mit Regisseur Florian Opitz zum Film SYSTEM ERROR (15 min)

 

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