Vom Traum zur Revolution

„Lassen Sie uns gemeinsam träumen, welche Zukunft wollen wir sehen. (…) und lassen Sie uns dann den Mut fassen und unsere Träume gemeinsam verwirklichen“ (Van der Bellen in der Neujahrsansprache).

Er gibt zu Bedenken, ob wir wirklich wieder in dieselbe Realtität zurück wollen, die vor der Pandemie geherrscht hat. Nicht alles sei gut gewesen, wir könnten die Herausforderung nutzen und etwas „Neues, viel Besseres für Mensch und Natur schaffen“. Das gelte auch für das Zusammenleben.

Statt Unversöhnlichkeit und dem erbitterten Bekämpfen anderer Meinungen (Entwertungen, Hass, Ausgrenzung, Feindbilder) empfiehlt er, dass „wir unseren Frieden schließen mit der Erkenntnis, dass wir nur durch Gegensätze wachsen und lernen können“.

Je nachdem wo man hinschaut, klingt das möglich oder utopisch.

Die ‚kleinen‘ Wünsche der Menschen für das Zusammenleben danach sind sicher möglich: Wieder Hände schütteln, sich umarmen, zur Begrüßung küssen, Freunde einladen oder mit ihenen essen gehen, Leichtigkeit im Kontakt, miteinander singen, wiedermal verreisen, spontane Nähe und Kontakt, … .

Mag schon sein, dass es auch die Wünsche nach ungebremsten shopping, schicken Klamotten, dickerem Auto etc. gibt. An erster Stelle scheinen mir aber doch die Wünsche nach Kontakt ohne Barriere zu stehen, nach Nähe und  Miteinander. Auch wenn dadurch nicht gleich eine prinzipielle Akzeptanz des ‚Anderen‘ entsteht, ist es ihr doch förderlich.

Utopischer klingen die ‚Wie-wäre-es-wenn‘ Vorstellungen des Präsidenten:
„Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir uns angewöhnen eine florierende Wirtschaft und eine blühende Natur nicht als Gegensätze zu sehen, sondern als Ziele, die sich gegenseitig bedingen“. (…)
Wie wäre es wenn wir unser wunderschönes Österreich und die liberale Demokratie wieder mehr schätzen würden. Und die europäische Union, diese weltweit einzigartige Errungenschaft“. (…)
Und wie wäre es, wenn wir den schreienden Gegensatz zwischen wohlbehütet und Flucht oder zwischen arm und reich abmildern würden. Und auch das geht, glauben sie mir“ (ebd).

Das lässt sich nicht einfach unter Wünsche für das Zusammenleben subsumieren, die sich womöglich nach Ende der Pandemie von selbst erfüllen. Es bedeutet Arbeit. Arbeit an uns selbst und den gesellschaftlichen Bedingungen.

Marlene Streeruwitz formuliert es klar und unmissverständlich: „Wir müssen diesen Staat selbst in die Hand nehmen. Dieses Parlament weiß nichts von uns, und das müssen wir ändern. Diesmal muss die Revolution aber quer gehen. Wir müssen uns im Gemeinsamen miteinander verständigen. (…) Und die ganze Revolution ist nichts anderes, als jede Handlung politisch zu sehen und das zu vermitteln“.(Standard online 2.1.2021)

Den Staat selbst in die Hand nehmen, das tut not, wenn wir „den Mut fassen und unsere Träume gemeinsam verwirklichen“ wollen.

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