Vom Selbstverständlichen in der Krise

Selbstverständlich halten wir Abstand, schränken unsere sozialen Kontakte ein,  versuchen die uns gebotenen Einschränkungen zu akzeptieren und warten geduldig bis wir für die Impfung an die Reihe kommen. Selbstverständlich stehen bei der Impfstoffherstellung Profitinteressen immer noch über dem Gemeinwohlinteresse, stehen freie Intensivbetten von Privatkliniken, obwohl dringend benötigt, der Allgemeinheit nicht zur Verfügung und vermehren ohnehin schon Wohlhabende Menschen in der Krise ihre Vermögen um hohe Summen, während andere in ihrer Existenz bedroht sind und es als unmöglich abgetan wird, das Arbeistlosengeld um nur 15% zu erhöhen.

Selbstverständlich versorgen wir uns auch in der Krise im Supermarkt mit allem Nötigen, drehen die Heizung rauf, wenn es kälter wird, genießen eine warme Dusche mit Trinkwasserqualität und konsumieren dann Krimi, Talkshow oder Computerspiel. Ebenso selbstverständlich sterben zur selben Zeit unzählige Kinder, weil sie nicht versorgt sind, frieren Menschen in durchnässten Zeltstädten im Schlamm nicht irgendwo, sondern in Europa, haben Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser und warten die ärmeren Länder noch lange, bis sie genügend Impfstoff bekommen.

Selbstverständlich werden immer noch Regenwälder abgeholzt, Kriege geführt, Rohstoffe und Länder geplündert, Menschenrechte missachtet und Kinder verschleppt, misshandelt und ausgebeutet, Frauen unterdrückt und dem Mann untergeordnet, selbstverständlich steigt die Ungleichheit weiterhin in unglaublichem Ausmaß. Während die einen im Elend versinken, vergnügen sich die anderen am Pool ihrer Villen, und das auf Kosten der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung. Realitäten, die uns schon seit Jahren zur Selbstverständlichkeit geworden sind, daran ändert auch die Krise nichts. Alles ganz normal.

Nur, dass wir kaum noch über etwas anderes reden als Corona und das vor allem in Zahlen und Inzidenzen, darüber, wo es einen Gratistest gibt und wie wir trotz Pandemie skifahern, zum Friseur gehen oder urlauben können. Missachtung der Menschenrechte, Fragen der Ungleichheit und Ungerechtigkeit, die Klimakatastrophe, die Aushöhlung von Demokratie und Solidaritätsgesellschaft, die zerstörende Ausbeutung von Mensch und Erde, all das ist weit abgeschlagen.

Was uns gestern noch ein Wert war, versteckt sich heute hinter Corona und manches droht sich dort unbemerkt zu verflüchtigen. Menschenrechte, Demokratie, Freiheit und Gleichheit für alle, mit dem unantastbaren Recht auf ein würdevolles Leben jedes einzelnen Menschen und dem ‚unverhandelbaren Recht, Rechte zu haben‚ – Werte, die ohnehin nur in Annäherung erreicht werden können, und doch waren wir in manchen Bereichen und Ländern schon recht weit mit der Zivilisation. Rücken diese über Jahrhunderte hinweg erkämpften Werte und Rechte wieder in die Sphäre der Utopie?

1 thought on “Vom Selbstverständlichen in der Krise

  1. Über das Jammern
    (bei uns in Wien: sudern ,ansingen ,nidafäuln, suderantentum,“mia gehts so schlecht, die Käselebakassemme beim spar wor scho wida aus!)
    Saß heut am Donaukanal und aß meine wohlverdienten Radler und aß trockenes Gebäck von einem orientalischen Imbissladends meines Vertrauens (na geh des is so trocken ,des wird immer mehr im Mund !.)
    War vorher im Labor und durfte nix essen….
    Na geh! des Adria homs ogrissn! Scheisskapitalismus! Den ganzen Donaukanal verschandln`s ma! , i kann nur mehr in die Hafenkneipe und ins Centralgarden gehen!!

    Jo eh

    ich sagte mal zu einem meiner besten Freunde letzten Sommer:“ Wir leben in Interessanten Zeiten.“
    Ich sitze also am Donaukanal(nebenbei passt ein Opa am Kinderspielplatz auf seine Süssen kleinen Enkerln auf. und wollte mich weiter über das Adria aufregen.
    Aber dann Rauchte ich an Tschik und dachte über mein ganzes letztes Jahr nach.
    Freilich es war nicht schön, weil meine Mutter schwer krank wurde, und Corona wor a no, mein Gesundheitszustand verschlechterte sich, ich war nah am Burn-out, es gab einige Trubles mit meiner Freundinn, ich konnte meine Theaterleute ab Oktober nicht mehr sehen, mein Bruder ging mir Teilweise am Arsch, mein Sohn bekam wieder eine Kleine Psychose, die zwei Konzerte die ich im freien besuchen durfte waren ein schlechter Witz( eingekastelt auf 2 Quatratmeter.

    Jo eh

    Aber ich bräuchte gar nicht lange nachdenken(oder doch? Angst) und mir fielen genauso viele positive Dinge ein die letztes Jahr passiert sind…
    Also packen wir uns am eigenen Schopf und versuchen einmal für uns persönlich es schön zu haben und denken wir an Menschen die obdachlos sind die auf Griechischen Inseln leben, oder gerade eben, im ehemaligen Burma!
    Unsere Regierung wird nicht besser wenn wir uns jeden Tag über Sie aufregen….
    Das wollte ich nur gesagt haben….

    und jetzt fahre ich mit dem Fahrrad zu meiner kranken Mutter, vielleicht können wir gemeinsam ein wenig Lachen, schön wär`s..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.