Solidarität
versus
Almosen


Viel ändert sich nicht im Umgang mit der Herstellung, Verteilung und Verabreichung von Corona-Impfstoff, auch wenn Ö1 die Entwicklung der Impfstoffe als einzige Erfolgsgeschichte bezeichnet. Stimmt vielleicht, wenn man nur dorthin schaut und vor allem auf die nordwestliche Hemisphäre. Was die globale Verteilung und Verabreichung angeht, und das gehört nun mal dazu, beschleicht mich jedoch eher das Gefühl, in einer Zeitschleife festzusitzen, in der wir ständig mehr vom Gleichen erleben. Obwohl es ein guter Zeitpunkt wäre, Änderungen vorzunehmen.

Anne Jung von medico international:
 „Der Moment ist wie geschaffen für eine breitere globale Bewegung, um das Recht auf bestmöglichen Zugang zu Gesundheit allumfassend und universell auch jenseits von Pandemien zu erstreiten. Es ist jetzt an der Zeit, eine an den Gesundheitsbedürfnissen aller Menschen ausgerichtete Politik einzufordern, die öffentliche Gesundheitssysteme gegen Kapitalinteressen verteidigt und darin auch die Macht der Pharmaindustrie begrenzt. Das ist kostengünstiger als das System von Patenten. Vor allem aber ist es im Interesse aller.“ (ganzer Text hier)

G7 hätt’s gekonnt

Die Gelegenheit des G7 Gipfels vom 11. bis 13. Juni 2021 in Cornwall, wirksame Änderungen in der Pandemie Bekämpfung und in den öffentlichen Gesundheitssystemen zu beschließen oder voranzutreiben, wurde verpasst und scheiterte vor allem am Widerstand der EU. Der Patentschutz der Corona Impfstoffe bleibt und wird auch nicht zeitbegrenzt aufgehoben. Beteuerungen, dass man ja hohe Summen in COVAX investieren und Impfdosen im dreistelligen Millionenbereich spenden würde, helfen da wenig.  

Gefragt wären Partnerschaftlichkeit und das RECHT auf ‚den Zugang zu bezahlbaren unentbehrlichen Arzneimitteln und Impfstoffen‘ wie es in den SDGs unter Punkt 3, Gesundheit und Wohlergehen, gefordert wird und nicht die Degradierung der ärmeren Länder zu Almosenempfängern. Auch die Tatsache, dass eine Bekämpfung der Pandemie in den armen Ländern gleichzeitig eine Bekämpfung der Pandemie in den reichen Ländern bedeuten würde, scheint kein ausreichendes Argument zu sein. Offensichtlich wird die Gefährdung der öffentlichen Gesundheit hier wie dort in Kauf genommen, um Kapitalinteressen zu schützen. Und das vorwiegend im (meist mit öffentlichen Geldern geförderten) Privatbereich.

Dass es keinen Aufschrei gibt, wenn 2021 Länder noch so unverblümt in Abhängigkeit des Gutwill der Reichen gehalten werden, ist wohl unserer habituell ‚imperialen Lebensweise‘ geschuldet. Die Kolonialzeiten sind vorbei, die der ‚imperialen Lebensweise‘ stehen offenbar in voller Blüte. (‚Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur in Zeiten des globalen Kapitalismus‘, Ulrich Brand, Markus Wissen, 2017)

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