Ein Jahr Pandemie, ein Jahr Maßnahmen und Einschränkungen mit fast nur einem einzigen Brennpunkt: Die Sieben-Tage-Inzidenz. Wie gebannt haben wir auf diese Zahlen gestarrt und sie waren es, welche die Reaktionen der Politik bestimmt und gerechtfertigt haben. Steigende und sinkende Zahlen waren Tagesgespräch. Die Folgen für die Wirtschaft wurden von Beginn an zumindest mitthematisiert, die Folgen für die Menschen zuerst gar nicht, später eher am Rande. Zuerst Berichte über die Auswirkungen auf Risikogruppen, Heimbewohner*innen und ältere Menschen, später auch über die Folgen für Erwachsene, erst seit kurzem über die Folgen für Kinder und Jugendliche, eine (mehr …)

Vom Selbstverständlichen in der Krise

Selbstverständlich halten wir Abstand, schränken unsere sozialen Kontakte ein,  versuchen die uns gebotenen Einschränkungen zu akzeptieren und warten geduldig bis wir für die Impfung an die Reihe kommen. Selbstverständlich stehen bei der Impfstoffherstellung Profitinteressen immer noch über dem Gemeinwohlinteresse, stehen freie Intensivbetten von Privatkliniken, obwohl dringend benötigt, der Allgemeinheit nicht zur Verfügung und vermehren ohnehin schon Wohlhabende Menschen in der Krise ihre Vermögen um hohe Summen, während andere in ihrer Existenz bedroht sind und es als unmöglich abgetan wird, das Arbeistlosengeld um nur 15% zu erhöhen.

Selbstverständlich versorgen wir uns auch in der Krise im Supermarkt mit allem Nötigen, drehen die Heizung rauf, wenn es kälter wird, genießen eine warme Dusche mit Trinkwasserqualität und konsumieren dann Krimi, Talkshow oder Computerspiel. Ebenso selbstverständlich sterben zur selben Zeit unzählige Kinder, weil sie nicht versorgt sind, frieren Menschen in durchnässten Zeltstädten im Schlamm nicht irgendwo, sondern in Europa, haben Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser und warten die ärmeren Länder noch lange, bis sie genügend Impfstoff bekommen.

Selbstverständlich werden immer noch Regenwälder abgeholzt, Kriege geführt, Rohstoffe und Länder geplündert, Menschenrechte missachtet und Kinder verschleppt, misshandelt und ausgebeutet, Frauen unterdrückt und dem Mann untergeordnet, selbstverständlich steigt die Ungleichheit weiterhin in unglaublichem Ausmaß. Während die einen im Elend versinken, vergnügen sich die anderen am Pool ihrer Villen, und das auf Kosten der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung. Realitäten, die uns schon seit Jahren zur Selbstverständlichkeit geworden sind, daran ändert auch die Krise nichts. Alles ganz normal.

Nur, dass wir kaum noch über etwas anderes reden als Corona und das vor allem in Zahlen und Inzidenzen, darüber, wo es einen Gratistest gibt und wie wir trotz Pandemie skifahern, zum Friseur gehen oder urlauben können. Missachtung der Menschenrechte, Fragen der Ungleichheit und Ungerechtigkeit, die Klimakatastrophe, die Aushöhlung von Demokratie und Solidaritätsgesellschaft, die zerstörende Ausbeutung von Mensch und Erde, all das ist weit abgeschlagen.

Was uns gestern noch ein Wert war, versteckt sich heute hinter Corona und manches droht sich dort unbemerkt zu verflüchtigen. Menschenrechte, Demokratie, Freiheit und Gleichheit für alle, mit dem unantastbaren Recht auf ein würdevolles Leben jedes einzelnen Menschen und dem ‚unverhandelbaren Recht, Rechte zu haben‚ – Werte, die ohnehin nur in Annäherung erreicht werden können, und doch waren wir in manchen Bereichen und Ländern schon recht weit mit der Zivilisation. Rücken diese über Jahrhunderte hinweg erkämpften Werte und Rechte wieder in die Sphäre der Utopie?

Vom Rudel zur Meute

Eigentlich ist der Mensch ein Rudeltier. Wir brauchen das Rudel, um zu überleben, wenn es kalt oder gefährlich wird, rücken wir zusammen. Schutz und Geborgenheit durch die Zugehörigkeit zum Rudel, sich an den anderen wärmen, Nähe und Gemeinsamkeit.

Die Nähe, die Mensch Rudeltier braucht, wandelt sich derzeit in (weiterlesen)

Ist unsere Zukunft systemrelevant?

In einer Krise wie wir sie derzeit erleben wird das gesamte öffentliche Leben mit Ausnahme der systemrelevanten Bereiche auf ein Mindestmaß zurückgefahren. Krankenhäuser, Supermärkte, Arztpraxen, all das bleibt offen. Macht ja auch absolut Sinn. Alles andere wird auf Homeoffice verlagert oder gleich ganz geschlossen (Wirklich alles? Naja, außer den Skiliften vielleicht, die anscheinend auch systemrelevant sind). Erwachsene Menschen trifft es dabei sehr unterschiedlich, je nach Arbeitsbereich und (mehr)

Wirksmurks mit ohne

Arbeitsministerin ist abgebogen, wegen einer wirklichen, aber nicht ganz so, also das heißt allgemein gedacht, eben doch oder  genau so ohne Beistrich, weil Chef sich ohne Idee nicht hinführen frisch erfunden.

Vom Regierungspfad abzubiegen war wohl eine gute und notwendige Entscheidung. Erstaunlich trotzdem wie man mit so viel Bildung (mehr)

Vom Traum zur Revolution

„Lassen Sie uns gemeinsam träumen, welche Zukunft wollen wir sehen. (…) und lassen Sie uns dann den Mut fassen und unsere Träume gemeinsam verwirklichen“ (Van der Bellen in der Neujahrsansprache).

Er gibt zu Bedenken, ob wir wirklich wieder in dieselbe Realtität zurück wollen, die vor der Pandemie geherrscht hat. Nicht alles sei gut gewesen, wir könnten die Herausforderung nutzen und etwas „Neues, viel Besseres für Mensch und Natur schaffen“. Das gelte auch für das Zusammenleben.

Statt Unversöhnlichkeit und dem erbitterten Bekämpfen anderer Meinungen (Entwertungen, Hass, Ausgrenzung, Feindbilder) empfiehlt er, dass „wir unseren Frieden schließen mit der Erkenntnis, dass wir nur durch Gegensätze wachsen und lernen können“.

Je nachdem wo man hinschaut, klingt das möglich oder utopisch.

Die ‚kleinen‘ Wünsche der Menschen für das Zusammenleben danach sind sicher möglich: Wieder Hände schütteln, sich umarmen, zur Begrüßung küssen, Freunde einladen oder mit ihenen essen gehen, Leichtigkeit im Kontakt, miteinander singen, wiedermal verreisen, spontane Nähe und Kontakt, … .

Mag schon sein, dass es auch die Wünsche nach ungebremsten shopping, schicken Klamotten, dickerem Auto etc. gibt. An erster Stelle scheinen mir aber doch die Wünsche nach Kontakt ohne Barriere zu stehen, nach Nähe und  Miteinander. Auch wenn dadurch nicht gleich eine prinzipielle Akzeptanz des ‚Anderen‘ entsteht, ist es ihr doch förderlich.

Utopischer klingen die ‚Wie-wäre-es-wenn‘ Vorstellungen des Präsidenten:
„Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir uns angewöhnen eine florierende Wirtschaft und eine blühende Natur nicht als Gegensätze zu sehen, sondern als Ziele, die sich gegenseitig bedingen“. (…)
Wie wäre es wenn wir unser wunderschönes Österreich und die liberale Demokratie wieder mehr schätzen würden. Und die europäische Union, diese weltweit einzigartige Errungenschaft“. (…)
Und wie wäre es, wenn wir den schreienden Gegensatz zwischen wohlbehütet und Flucht oder zwischen arm und reich abmildern würden. Und auch das geht, glauben sie mir“ (ebd).

Das lässt sich nicht einfach unter Wünsche für das Zusammenleben subsumieren, die sich womöglich nach Ende der Pandemie von selbst erfüllen. Es bedeutet Arbeit. Arbeit an uns selbst und den gesellschaftlichen Bedingungen.

Marlene Streeruwitz formuliert es klar und unmissverständlich: „Wir müssen diesen Staat selbst in die Hand nehmen. Dieses Parlament weiß nichts von uns, und das müssen wir ändern. Diesmal muss die Revolution aber quer gehen. Wir müssen uns im Gemeinsamen miteinander verständigen. (…) Und die ganze Revolution ist nichts anderes, als jede Handlung politisch zu sehen und das zu vermitteln“.(Standard online 2.1.2021)

Den Staat selbst in die Hand nehmen, das tut not, wenn wir „den Mut fassen und unsere Träume gemeinsam verwirklichen“ wollen.

Unbegrenztes Wachstum
Bei 2% Wachstum im Jahr wäre ich heute 4 Meter groß

Wachstum sei für das Überleben der Wirtschaft und damit für unser Überleben notwendig. Ohne Wachstum würde das System nicht funktionieren, ein System ohne Wachstum sei undenkbar. Unbegrenztes Wachstum auf einer begrenzten Erde. Dass dies nicht funktionieren kann, bedarf keiner wissenschaftlichen Analyse, es ist evident. Trotzdem werden Vorstellungen einer Wirtschaft ohne Wachstum von vielen in den Bereich der Utopie oder der Spinner verbannt, die Notwendigkeit des Wachstums fast als Naturgesetz betrachtet. (mehr …)

Lockup Preview

Erstaunliches Einkaufserleben heute. Am Markt, g‘stopft voll, lange Schlangen bei Gemüse, Fleisch und Brot, Gruppenbildungen bei Kebab, Würstel und Sushi. Leute stehen im Rudel vor den Buden und prosten sich zu, ohne Masken, versteht sich. Beim Fleischer gibt es eine Schlange für Wurst und eine für Fleisch. Hinten in der Wurstschlange poltert einer, man solle eine dritte Schlange aufmachen. Natürlich, schnell muss es auch noch gehen. Und Elefanten sind hier keine unterwegs, Schlange heißt dicht an dicht.

Dann im Merkur kein einziges (mehr …)

1986 – Utopie in Ottawa

Ein so weit gefasster Begriff von Gesundheit wie in der Ottawa Charta der WHO 1986 mutet selbst nach 34 Jahren noch utopisch an. Die Realisierung wäre nicht nur eine Erneuerung des Gesundheitssystems, sondern würde einen kompletten ’system-change‘ bedeuten. Allein ‚Frieden‘ wäre eine globale Disruption, andere genannte Punkte nicht viel weniger: Sorgfältige Verwendung vorhandener Naturressourcen, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit.

Die Voraussetzungen für Gesundheit wurden so definiert: (mehr …)

Sorgearbeit für die Biospähre

Es beginnt in unmittelbarer Nähe, denn Grundlage jeglicher Sorgearbeit sind Respekt und Wertschätzung gegenüber den Mecnschen, die mir am nächsten sind, bei Partner*in und  Kindern, bei der Familie und bei Freund*innen, Bekannten und Nachbarn. Wenn ich meine Partner*in  als Besitz ansehe, ihr und den Kindern gegenüber Gewalt in welcher Form auch immer ausübe, ihre Bedürfnisse missachte oder sie verachtend behandle, werde ich kaum empathisch stützende Sorgearbeit leisten können. Für sie nicht und nicht für andere. Sorge für die Erde beginnt in der Beziehung. Die Haltung wertschätzender Akzeptanz gegenüber den Menschen und der Gesellschaft, in der ich lebe,  ist Voraussetzung, um auch für die Biosphäre Sorgearbeit leisten zu können. (mehr …)

Mögliche Augaben von Gesellschaft

Referenzrahmen für Gesellschaften sind die Bedingungen und Grenzen des Systems Erde. Die Erde wird nicht als auszubeutendes mehr oder weniger totes Objekt gesehen, sondern als Subjekt, mit und in dem wir leben, in ständigem gegenseitigen Austausch. Die Gestaltung des Stoffwechsels braucht den Blick auf das Wohl der Menschen und Gemeinschaften genauso wie den auf das Wohl von Erde und Natur.

Aufgabe der Gesellschaft ist Existenzsicherung und die Abdeckung und Sicherung von Grundbedürfnissen: (mehr …)

‚Sorgearbeit‘ für die Erde hat heute oberste Priorität. Zerstören wir die Biosphäre, geht gar nix mehr.

Das Übel liegt in der Art und Weise unserer Ökonomie, Ausdruck unserer Überzeugungen, Einstellungen und Haltungen, Ökonomie als Teil der ‚angewandten Weltanschauung‘. Erde, Tier- und Pflanzenreich sowie Menschen werden als Objekte gesehen, die für wirtschaftliche Interessen ausbeutbar sind. In den letzten Jahrzehnten hat  sich die Supralogik der Gewinnmaximierung durchgesetzt, der unabhängig von den Folgen alles andere untergeordnet wird. Zweck der Ökonomie ist es nicht mehr, die Bedürfnisse der Menschen abzudecken. Nein, die Menschen sind selbst zur Funktion einer gewinnmaximierenden Wirtschaft geworden. (mehr …)